FAQ zum Vorsorgeauftrag

Ein Vorsorgeauftrag ist ein rechtliches Dokument, mit welchem Sie Ihre Vertretung im Fall von Urteilsunfähigkeit regeln können. Der Vorsorgeauftrag wurde mit dem neuen Erwachsenenschutzrecht eingeführt und ist ein wesentlicher Bestandteil der rechtlichen Vorsorge.
Bevor Sie einen Vorsorgeauftrag erstellen, müssen Sie deshalb zuerst verstehen, was die Urteilsunfähigkeit ist.

Was ist die Urteilsunfähigkeit?

Urteilsfähig ist jede Person, die ihre Handlungen vernunftgemäss beurteilen kann. Gemäss Zivilgesetzbuch (ZGB) ist das jede Person, die nicht wegen ihres Kindesalters, infolge geistiger Behinderung, psychischer Störung, Rausch oder ähnlicher Zustände unfähig ist, vernunftgemäss zu handeln.

Der Verlust der Urteilsfähigkeit kann temporär oder langfristig sein. Eine temporäre Urteilsunfähigkeit kann z.B. nach einem Unfall oder als Folge einer Drogensucht eintreten. Typische Fälle von dauerhafter Urteilsunfähigkeit sind Demenzerkrankungen oder schwere geistige Behinderungen.

Wer entscheidet über die Urteilsunfähigkeit?

Die Urteilsunfähigkeit ist selten vollständig und muss individuell beurteilt werden. Seit der Einführung des neuen Erwachsenenschutzrechts im Jahr 2013 ist die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) zuständig für die Beurteilung der Urteilsfähigkeit. Eine wichtige Aufgabe der KESB ist, über allfällige behördliche Massnahmen zum Schutz oder zur Unterstützung einer urteilsunfähig gewordene Person zu entscheiden.

Die KESB beurteilt Fälle nach Eingang einer Gefährdungsmeldung. Jeder kann der KESB eine Gefährdungsmeldung einreichen. Gewisse Amtsstellen wie die Polizei oder Sozialdienste haben eine Meldepflicht.

Liegt keine Gefährdungsmeldung vor, wird die KESB nicht aktiv.

Was beinhaltet der Vorsorgeauftrag?

Der Vorsorgeauftrag wird in drei Bereiche aufgeteilt: Die Personensorge, die Vermögenssorge und die Rechtsvertretung. Die Rechtsvertretung ist aber immer mit der Personensorge und der Vermögenssorge gekoppelt.

Wen sollte ich als Vorsorgebeauftragte einsetzen?

Häufig werden Familienangehörige eingesetzt, vor allem die eigenen Nachkommen. In gewissen Fällen ist es aber nicht möglich oder nicht erwünscht – vom Auftraggeber wie auch von den Beauftragen. Die folgenden Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Die Beauftragten sollten über genügend Fachwissen verfügen. Auch wenn sie Hilfspersonen miteinbeziehen dürfen, tragen sie die Verantwortung für Ihre gesamte Lebensgestaltung und Ihre Finanzen.
  • Die Beauftragten müssen hoch flexibel und verfügbar sein, zeitlich wie auch örtlich. Falls Ihre Nachkommen bereits privat und beruflich sehr engagiert sind oder zu weit weg wohnen, könnte es langfristig problematisch werden.
  • Bei der Überprüfung des Vorsorgeauftrages legt die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Wert darauf, dass möglichst wenig Interessenkonflikt vorhanden ist. Der Einsatz eines Erben kann je nach Situation fraglich werden. Aus diesem Grund dürfen Sie auch auf keinen Fall Personen als Vorsorgebeauftragte einsetzen, die bereits Ihr Vermögen verwalten (Banken oder Treuhandgesellschaften). Die seriösen Finanzdienstleister lehnen den Einsatz als Vorsorgebeauftragte ab.
  • Die Führung eines Vorsorgeauftrages kann eine langjährige Angelegenheit sein. Ihre Beauftragten sollten deshalb bedeutend jünger sein als Sie selbst.

Wann wird ein Vorsorgeauftrag gültig?

Der Vorsorgeauftrag ist nicht sofort nach der Erstellung gültig, sondern nur im Fall einer Urteilunfähigkeit, welche von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde  (KESB) festgestellt wurde. Die KESB muss den Vorsorgeauftrag überprüfen und validieren. Erst dann, falls die Beauftragten das Mandat annehmen und von der KESB anerkannt werden, tritt der Vorsorgeauftrag in Kraft.

In welcher Form errichtet man einen Vorsorgeauftrag?

Der Vorsorgeauftrag unterliegt einer strengen Formvorschrift. Er muss entweder vollständig von Hand geschrieben und unterzeichnet oder notariell beurkundet werden. Eine notarielle Beurkundung ist vor allem sinnvoll, falls die betroffene Person nicht in der Lage ist, selber zu schreiben.

Wo kann man einen Vorsorgeauftrag hinterlegen?

Sie können den Hinterlegungsort Ihres Vorsorgeauftrags frei wählen. Wichtig ist vor allem, dass er leicht auffindbar ist. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) wird im Fall einer Gefährdungsmeldung keinen grossen Aufwand betreiben, um einen Vorsorgeauftrag zu suchen. Ein Bankfach oder ein Tresor ist deshalb kein geeigneter Hinterlegungsort. Sie ist aber verpflichtet, im Register des Zivilstandsamts zu prüfen ob ein Vorsorgeauftrag eingetragen ist. Wir empfehlen Ihnen deshalb, Ihren Vorsorgeauftrag beim Zivilstandsamt Ihres Wohnortes zu melden. Beachten Sie, dass Sie das Dokument selber nicht beim Zivilstandsamt hinterlegen können. Sie können aber im Formular des Zivilstandsamts den Hinterlegungsort vermerken.

In einzelnen Kantonen, wie z.B. in Zürich, können die Vorsorgeaufträge bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) hinterlegt werden. Die physische Hinterlegung bei der KESB kostet üblicherweise ca. 150 CHF pro Vorsorgeauftrag.

Als Alternative bieten wir die Hinterlegung Ihrer Vorsorgeaufträge und Patientenverfügungen in der ganzen Schweiz in Zusammenarbeit mit einem professionellem, hochsicheren Archivzentrum an. Die Dokumente können physisch und elektronisch aufbewahrt werden. Die Kosten betragen 190 CHF für einen Vorsorgeauftrag und 270 CHF für zwei Vorsorgeaufträge (z.B. für Ehepartner). Falls Sie ein Dokument anpassen wollen, kostet die Bestellung inkl. Versand und die nochmalige Archivierung nur noch 90 CHF.

Was kostet die Errichtung eines Vorsorgeauftrags?
Seit ein paar Jahren ist der Vorsorgeauftrag eine Industrie geworden. Viele Treuhandgesellschaften, Anwaltskanzleien, Finanzinstitutionen und karitative Institutionen bieten Beratung und Vorlagen an. Viele kostenlose Vorlagen können im Internet gefunden werden. Von diesen kostenlosen Vorlagen raten wir aber ab, da diese in den meisten Fällen nur sehr allgemein formuliert und oft unvollständig sind.

Bei den meisten Notaren, Treuhändern und Anwälten kostet ein Vorsorgeauftrag schnell zwischen 1’000 und 1’500 CHF. Die Preise schwanken je nach Kanton stark.

Bei uns kostet die persönliche Beratung für die ganze rechtliche Vorsorge und Errichtung des Vorsorgeauftrages inkl. Patientenverfügung pauschal 750 CHF. Die Errichtung eines Testaments kostet dazu noch einmalig 155 CHF.

Wie unterscheidet sich ein Vorsorgeauftrag von einer Generalvollmacht?

Die Vollmacht gilt bereits ab Unterzeichnung, der Vorsorgeauftrag erst nach Eintritt der Urteilsunfähigkeit und Feststellung bei der KESB. Zudem anerkennen die Banken die Vollmachten meistens nicht mehr nach Eintreten der Urteilsunfähigkeit.

Wie unterscheidet sich ein Vorsorgeauftrag von einer Patientenverfügung?

Im Fall von Urteilsunfähigkeit regelt die Patientenverfügung die medizinischen Massnahmen. Der Vorsorgeauftrag regelt die persönlichen, finanziellen und rechtlichen Angelegenheiten. Ohne Patientenverfügung entscheiden die Vorsorgebeauftragten, welche die Personensorge verantworten, über die medizinischen Massnahmen.