Vorsorgeauftrag

Einen Vorsorgeauftrag erstellen

Was ist ein Vorsorgeauftrag?
Ein Vorsorgeauftrag ist ein rechtliches Dokument, mit welchem Sie Ihre Vertretung im Fall von Urteilsunfähigkeit regeln können. Der Vorsorgeauftrag wurde mit dem neuen Erwachsenenschutzrecht eingeführt ist ein wesentlicher Bestandteil der rechtlichen Vorsorge.

Der Vorsorgeauftrag als Schutz gegen eine Beistandschaft
Das primäre Ziel eines Vorsorgeauftrages ist, eine Beistandschaft zu vermeiden. Die Vorteile sind:

  • Die Beauftragten sind Vertrauenspersonen, welche Sie selber ausgewählt haben.
  • Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) bzw. der Staat ist im Prinzip nicht mehr in Ihre privaten Angelegenheiten und in der Verwaltung Ihres Vermögens sowie Ihrer Einkommen involviert. 
  • Sie können in Ihrem Vorsorgeauftrag genaue Weisungen und Richtlinien für Ihre Vertretung formulieren.

Es ist wichtig, Ihren Vorsorgeauftrag rechtssicher und vollständig zu erstellen.

Was beinhaltet der Vorsorgeauftrag?
Der Vorsorgeauftrag wird in drei Bereiche aufgeteilt: Die Personensorge, die Vermögenssorge und die Rechtsvertretung. Die Rechtsvertretung ist aber immer mit der Personensorge und der Vermögenssorge gekoppelt.

  • Die Vermögenssorge ist die Verwaltung aller finanziellen Angelegenheiten. Sie beinhaltet somit den Zahlungsverkehr, die Vermögensverwaltung, die Verwaltung der Einkommen und Renten, , die Steuererklärung sowie die Verwaltung der Immobilien. Falls Sie eine Firma oder Anteile besitzen, fallen deren Verwaltung auch unter die Vermögenssorge. Die Vermögenssorge erfordert ein gutes Verständnis verschiedener Bereiche, unter anderem Immobilien, Finanzen, Steuern und Sozialversicherungen.
  • Die Personensorge beinhaltet alle andere Aufgaben: Die Regelung aller medizinischen, persönlichen, sozialen und administrativen Angelegenheiten. Die Verantwortung reicht vom alltäglichen Einkauf, Begleitung an Termine, Koordination mit den Behörden bis hin zur Besprechung von medizinischen Handlungen, insofern diese nicht mit der Patientenverfügung abgedeckt sind. Die Personensorge kann somit sehr zeitintensiv werden. 
  • Mit der Rechtsvertretung im Bereich Vermögenssorge bzw. Personensorge dürfen die Beauftragten die betroffene Person im Rechtsverkehr vollständig vertreten: mit Fachpersonen sprechen, die sonst dem Berufsgeheimnis unterliegen, Verträge errichten oder kündigen, usw. 

Bei der Erstellung müssen Sie darauf achten, dass alle für Sie wichtigen Bereichen abgedeckt und explizit aufgeführt sind. Allfällige Versäumnisse können im Ernstfall zu Ergänzungen durch die Erwachsenenschutzbehörde führen, z.B. im Form einer Teilbeistandschaft.

Wen sollte ich als Vorsorgebeauftragte einsetzen?
Häufig werden Familienangehörige eingesetzt, vor allem die eigenen Nachkommen. In gewissen Fällen ist es aber nicht möglich oder nicht erwünscht – vom Auftraggeber wie auch von den Beauftragen. Die folgenden Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Die Beauftragten sollten über genügend Fachwissen verfügen. Auch wenn sie Hilfspersonen miteinbeziehen dürfen, tragen sie die Verantwortung für Ihre gesamte Lebensgestaltung und Ihre Finanzen.

  • Die Beauftragten müssen hoch flexibel und verfügbar sein, zeitlich wie auch örtlich. Falls Ihre Nachkommen bereits privat und beruflich sehr engagiert sind oder zu weit weg wohnen, könnte es langfristig problematisch werden.

  • Bei der Überprüfung des Vorsorgeauftrages legt die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Wert darauf, dass möglichst wenig Interessenkonflikt vorhanden ist. Der Einsatz eines Erben kann je nach Situation fraglich werden. Aus diesem Grund dürfen Sie auch auf keinen Fall Personen als Vorsorgebeauftragte einsetzen, die bereits Ihr Vermögen verwalten (Banken oder Treuhandgesellschaften). Die seriösen Finanzdienstleister lehnen den Einsatz als Vorsorgebeauftragte ab.

  • Die Führung eines Vorsorgeauftrages kann eine langjährige Angelegenheit sein. Ihre Beauftragten sollten deshalb bedeutend jünger sein als Sie selbst.

Zudem müssen Konflikte innerhalb der Familie vermieden werden. Bei Grossfamilien oder Patchwork-Familien kann der Einsatz (oder Nicht-Einsatz) eines oder mehrerer Kinder, vor allem im Bereich der Vermögenssorge, Konflikte auslösen.

Wann wird ein Vorsorgeauftrag gültig?
Der Vorsorgeauftrag ist nicht sofort nach der Erstellung gültig, sondern nur im Fall einer Urteilunfähigkeit, welche von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde  (KESB) festgestellt wurde. Die KESB muss den Vorsorgeauftrag überprüfen und validieren. Erst dann, falls die Beauftragten das Mandat annehmen und von der KESB anerkannt werden, tritt der Vorsorgeauftrag in Kraft.

In welcher Form errichtet man einen Vorsorgeauftrag?
Der Vorsorgeauftrag unterliegt einer strengen Formvorschrift. Er muss entweder vollständig von Hand geschrieben und unterzeichnet oder notariell beurkundet werden. Eine notarielle Beurkundung ist vor allem sinnvoll, falls die betroffene Person nicht in der Lage ist, selber zu schreiben. 

Wo kann man einen Vorsorgeauftrag hinterlegen?
Sie können den Hinterlegungsort Ihres Vorsorgeauftrags frei wählen. Wichtig ist vor allem, dass er leicht auffindbar ist. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) wird im Fall einer Gefährdungsmeldung keinen grossen Aufwand betreiben, um einen Vorsorgeauftrag zu suchen. Ein Bankfach oder ein Tresor ist deshalb kein geeigneter Hinterlegungsort. Sie ist aber verpflichtet, im Register des Zivilstandsamts zu prüfen ob ein Vorsorgeauftrag eingetragen ist. Wir empfehlen Ihnen deshalb, Ihren Vorsorgeauftrag beim Zivilstandsamt Ihres Wohnortes zu melden. Beachten Sie, dass Sie das Dokument selber nicht beim Zivilstandsamt hinterlegen können. Sie können aber im Formular des Zivilstandsamts den Hinterlegungsort vermerken. 

In einzelnen Kantonen, wie z.B. in Zürich, können die Vorsorgeaufträge bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) hinterlegt werden. Die physische Hinterlegung bei der KESB kostet üblicherweise ca. 150 CHF pro Vorsorgeauftrag. 

Als Alternative bieten wir die Hinterlegung Ihrer Vorsorgeaufträge und Patientenverfügungen in der ganzen Schweiz in Zusammenarbeit mit einem professionellem, hochsicheren Archivzentrum an. Die Dokumente können physisch und elektronisch aufbewahrt werden. Die Kosten betragen 175 CHF für einen Vorsorgeauftrag und 250 CHF für zwei Vorsorgeaufträge (z.B. für Ehepartner). Falls Sie ein Dokument anpassen wollen, kostet die Bestellung inkl. Versand und die nochmalige Archivierung nur noch 75 CHF. 

Was kostet die Errichtung eines Vorsorgeauftrags?
Seit ein paar Jahren ist der Vorsorgeauftrag eine Industrie geworden. Viele Treuhandgesellschaften, Anwaltskanzleien, Finanzinstitutionen und karitative Institutionen bieten Beratung und Vorlagen an. Viele kostenlose Vorlagen können im Internet gefunden werden. Von diesen kostenlosen Vorlagen raten wir aber ab, da diese in den meisten Fällen nur sehr allgemein formuliert und oft unvollständig sind.

Bei den meisten Notaren, Treuhändern und Anwälten kostet ein Vorsorgeauftrag schnell zwischen 1’000 und 1'500 CHF. Die Preise schwanken je nach Kanton stark.

Bei uns kostet die persönliche Beratung für die ganze rechtliche Vorsorge und Errichtung des Vorsorgeauftrages inkl. Patientenverfügung pauschal 750 CHF. Die Errichtung eines Testaments kostet dazu noch einmalig 150 CHF.

Haben Sie Fragen zum Vorsorgeauftrag? Kontaktieren Sie uns.

Die Urteilsunfähigkeit

Was ist die Urteilsunfähigkeit?
Urteilsfähig ist jede Person, die ihre Handlungen vernunftgemäss beurteilen kann. Gemäss Zivilgesetzbuch (ZGB) ist das jede Person, die nicht wegen ihres Kindesalters, infolge geistiger Behinderung, psychischer Störung, Rausch oder ähnlicher Zustände unfähig ist, vernunftgemäss zu handeln.

Der Verlust der Urteilsfähigkeit kann temporär oder langfristig sein. Eine temporäre Urteilsunfähigkeit kann z.B. nach einem Unfall oder als Folge einer Drogensucht eintreten. Typische Fälle von dauerhafter Urteilsunfähigkeit sind Demenzerkrankungen oder schwere geistige Behinderungen. 

Wer entscheidet über die Urteilsunfähigkeit?
Die Urteilsunfähigkeit ist selten vollständig und muss individuell beurteilt werden. Seit der Einführung des neuen Erwachsenenschutzrechts im Jahr 2013 ist die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) zuständig für die Beurteilung der Urteilsfähigkeit. Eine wichtige Aufgabe der KESB ist, über allfällige behördliche Massnahmen zum Schutz oder zur Unterstützung einer urteilsunfähig gewordene Person zu entscheiden.

Die KESB beurteilt Fälle nach Eingang einer Gefährdungsmeldung. Jeder kann der KESB eine Gefährdungsmeldung einreichen. Gewisse Amtsstellen wie die Polizei oder Sozialdienste haben eine Meldepflicht. 

Liegt keine Gefährdungsmeldung vor, wird die KESB nicht aktiv.

Wer entscheidet für mich, wenn ich urteilsunfähig werde?
Die private Vorsorge geht vor. Falls Sie einen Vorsorgeauftrag errichtet haben, werden die Personen, welche Sie im Vorsorgeauftrag ernannt haben, Ihre Vertretung übernehmen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) zieht sich in der Regel zurück, kann aber im Zweifelsfall die Mandatsführung prüfen und sogar dem Vorsorgebeauftragten das Mandat entziehen.

Falls Sie keinen Vorsorgeauftrag erstellt haben aber verheiratet oder in einer eingetragenen Partnerschaft sind, hat Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin von Gesetzes wegen ein Vertretungsrecht. Dieses Vertretungsrecht deckt die Aufgaben und Pflichten des Alltags. Wichtige Entscheidungen, wie z.B. der Verkauf einer Liegenschaft oder eine ausserordentliche Ausgabe, benötigen die Zustimmung der KESB. 

Falls Sie weder einen Vorsorgeauftrag haben noch in einer gesetzlich anerkannten Partnerschaft sind, wird die KESB eine Beistandschaft anordnen. 

Was ist eine Beistandschaft?
Eine Beistandschaft ist eine behördliche Massnahme zum Schutz einer urteilsunfähig gewordenen Person. Es gibt vier Arten von Beistandschaft:

  • Die Begleitbeistandschaft: Wenn eine Person nur in einzelnen Bereichen urteilsunfähig ist aber sich adäquat ausdrücken kann, kann eine Begleitbeistandschaft angeordnet werden. Der Beistand steht nur unterstützend zur Seite.

  • Die Vertretungsbeistandschaft (mit oder ohne Vermögensverwaltung): Eine Vertretungsbeistandschaft wird errichtet, wenn die hilfsbedürftige Person vertreten werden muss. Die betroffene Person muss sich die Vertretungshandlungen des Beistands anrechnen lassen. Die KESB kann auch die Handlungsfähigkeit der betroffenen Person einschränken. Im Fall einer Demenz ist die Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung die am häufigsten angeordnete Beistandschaft.

  • Die Mitwirkungsbeistandschaft: Bei einer Mitwirkungsbeistandschaft muss die betroffene Person für bestimmte Handlungen das Einverständnis des Beistands einholen, damit diese rechtsgültig werden.

  • Die umfassende Beistandschaft: Eine umfassende Beistandschaft wird errichtet, wenn eine Person dauerhaft urteilsunfähig ist und in besonderem Ausmass hilfsbedürftig ist. Die umfassende Beistandschaft bezieht sich auf alle Angelegenheiten der Personensorge,der Vermögenssorge und des Rechtsverkehrs. Die Handlungsfähigkeit der betroffenen Person entfällt.

Der Beistand wird von der KESB ernannt. Der Beistand kann jemand aus der Familie sein, eine Amtsperson (Berufsbeistand oder Amtsbeistand genannt) oder manchmal ein Freiwilliger.

Der Beistand unterliegt strengen Richtlinien der KESB und muss ihren Aufwand sowie Spesen protokollieren und detailliert berichten. Bei einer Beistandschaft entscheidet die KESB über alle ausserordentlichen Geschäfte (z.B. über den Verkauf einer Liegenschaft) und Ausgaben. Auch wenn der Beistand ein Kind der betroffenen Person ist.

Eine Beistandschaft, auch wenn sie amtlich geführt wird, ist kostenpflichtig. Sie wird aus dem Vermögen der betroffenen Person bezahlt. Die Höhe der Kosten ist abhängig vom Vermögen und von den Einkommen der betroffenen Person. Die Entscheide der KESB sowie die regelmässige Revision des Mandates werden ebenfalls verrechnet.

Haben Sie Fragen zu einer Beistandschaft? Rufen Sie uns an: 0848 000 161.

Häufige Fragen über den Vorsorgeauftrag

Wie unterscheidet sich ein Vorsorgeauftrag von einer Generalvollmacht?
Die Vollmacht gilt bereits ab Unterzeichnung, der Vorsorgeauftrag erst nach Eintritt der Urteilsunfähigkeit und Feststellung bei der KESB. Zudem anerkennen die Banken die Vollmachten meistens nicht mehr nach Eintreten der Urteilsunfähigkeit. 

Wie unterscheidet sich ein Vorsorgeauftrag von einer Patientenverfügung?
Im Fall von Urteilsunfähigkeit regelt die Patientenverfügung die medizinischen Massnahmen. Der Vorsorgeauftrag regelt die persönlichen, finanziellen und rechtlichen Angelegenheiten. Ohne Patientenverfügung entscheiden die Vorsorgebeauftragten, welche die Personensorge verantworten, über die medizinischen Massnahmen.

Ich habe erwachsene Kinder aber keinen Vorsorgeauftrag. Was passiert wenn ich urteilsunfähig werde?
Die Kinder haben von Gesetzes wegen nur im medizinischen Bereich ein Vertretungsrecht. Kinder zu haben, schützt somit nicht vor einer Beistandschaft. Die KESB wird von Fall zu Fall entscheiden, ob ein Kind die Beistandschaft übernehmen kann. 

Wie unterscheidet sich die Beratung von Büro-Spitex von dieser eines Notares oder Anwaltes?
Der Bezug zur Praxis. Wir haben Tausende von Vorsorgeaufträgen erstellt und betreuen im Alltag Hunderte von urteilsunfähig gewordenen Menschen. Wir kennen nicht nur die Gesetzestexte sondern die Praxis. Wir wissen, was im Fall einer Urteilsunfähigkeit wichtig ist, was Sie als persönliche Weisungen schreiben sollten, was oft vergessen wird, wieso ein Beauftragter oder ein Vorsorgeauftrag abgelehnt werden könnte, usw. Zudem sind wir täglich in Kontakt mit der KESB diverser Kantone und erleben die Entstehung der Rechtsprechung „an der Front“.

Ich habe eine Firma. Wie soll ich meine Vertretung im Fall einer Urteilsunfähigkeit regeln?
Die Vertretung in diesem Fall kann einerseits im Vorsorgeauftrag, andererseits z.B. mit einem Aktionärbindungsvertrag abgedeckt werden. Für eine ausführliche und persönliche Antwort empfehlen wir Ihnen, mit uns ein Beratungsgespräch zu vereinbaren.

Wer ist ohne Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag zur Vertretung einer urteilsunfähigen Person in medizinischen Fragen berechtigt?
Gemäss ZGB Art . 377ff haben der Lebenspartner bzw. die Lebenspartnerin, die Nachkommen, die Eltern und die Geschwister in dieser Reihenfolge ein Vertretungsrecht für die medizinischen Angelegenheiten. In dringenden Fällen kann ein Arzt auch entscheiden, z.B. eine fürsorgerische Unterbringung anordnen.

Ihr persönlicher Vorsorgeauftrag

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